100 Jahre Goethe-Universität
Frankfurt, die Bürgermetropole in der Mitte Deutschlands, freie Reichsstadt, Wiege der deutschen Demokratie, Handelsort und Verkehrsknoten, feiert seine Goethe- Universität.
Was hat diese Universität in ihren vergleichsweise kurzen 100 Jahren Geschichte nicht alles erlebt und überlebt: Gründung in privater Trägerschaft am Vorabend des 1. Weltkrieges, Vernichtung großer Teile des Stiftungsvermögens, Rettung in städtische Trägerschaft, erste wissenschaftliche Blüte in der Weimarer Republik, Vertreibung der jüdischen Denker im Nationalsozialismus, das Wunder der Wiedereröffnung nach dem nahezu totalen Zusammenbruch, Rückkehr vieler vertriebener Größen aus dem Exil, Vordenkeruni der 68er-Emanzipation („Frankfurter Schule“), Trägerschaft des Landes, Umwandlung in eine Stiftungsuniversität.
Die Entwicklung der Goethe-Universität ähnelt einer Fieberkurve mit heftigen Ausschlägen nach oben und unten. Nur eines verlässt sie nicht: eine offenbar unzerstörbare Lebensenergie, die sich jedes Mal aufs Neue entfacht durch die innere Spannung und Reibung ihrer unterschiedlichsten Geister und Kulturen. Aus diesem grenzüberschreitenden, interdisziplinären Klima heraus entstanden bahnbrechende Erkenntnisse in der Physik oder in der Medizin, die sich anschließend jedoch erst in der Realität bewähren mussten. „Wissenschaft für die Gesellschaft“ könnte eines der Leitthemen der Goethe-Universität sein.
Als „Bürgeruniversität“ – also Hochschule von Bürgern für Bürger – hat sich die Goethe-Universität stets für die Wirklichkeit der Menschen interessiert und daraus einen Teil ihres Forscherdrangs abgeleitet. Wie feiert eine solche Universität ihren 100. Geburtstag? Sicher in engster Verbindung mit jener Stadt, aus deren liberaler Tradition sie hervorgegangen ist, wenngleich auch relativ spät, als Bischofs- und Residenzstädte in anderen Teilen Deutschlands bereits längst Universitäten etabliert hatten.
So gesehen ist die Goethe-Universität historisch ein „Nachzügler“. Aber das hat ihr nie geschadet, da sie leichter als andere Hochschulen überkommene Traditionen über Bord werfen konnte, wo sie zu erstarren drohten. Deshalb hat sie sich bis heute ein erstaunliches Maß an Beweglichkeit bewahrt und ist insofern Spiegelbild ihrer Heimatstadt, als Frankfurt ebenfalls immer in Bewegung ist.
Frankfurt – viele bezeichnen sie als kleinste Weltstadt überhaupt – hat eine Universität, die ihren kosmopolitischen Geist widerspiegelt und ihn wissenschaftlich fruchtbar macht. Darum gehören Frankfurt und die Goethe-Universität zusammen, auch wenn es immer wieder Phasen der Distanz in der Entwicklung gab. Das Jubiläum 2014 soll diese Beziehung zwischen Frankfurt und „seiner“ Universität festigen helfen. Man darf gespannt sein auf interessante neue (alte) Verbindungen und Einsichten.





